Skip to main content

Dokumentarfilme

„Stolz & Eigensinn“ am 11. November 2025 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm mit Online-Filmgespräch mit Regisseur Gerd Kroske

Deutschland unmittelbar nach der Wende. Die zweite große Entlassungswelle hat den Osten erreicht. Frauen aus den ehemaligen Industrie-Großbetrieben der DDR erzählen mit heute überraschender Selbstverständlichkeit über sich und die persönlich erlangte Unabhängigkeit durch ihre Arbeit. Selbstbewusst und emanzipiert teilen sie ihr Erstaunen darüber, dass plötzlich nur noch Männer ihre Arbeiten machen sollen. Sie erzählen auch von den einstigen Utopien, die es heute nicht mehr gibt. Zudem sehen wir Aufnahmen aus ihrem Arbeitsalltag in längst verschwundenen Industriegebäuden und Braunkohle-Zechen. Auf alten U-matic-Bändern aus den Beständen des ehemaligen Leipziger Piratensenders KANAL X sind die Interviews erhalten. Über 30 Jahre später hat Gerd Kroske („SPK Komplex“, „Striche ziehen“) diesen filmischen Schatz aus dem Archiv geborgen und die Arbeiter:innen von damals wiedergefunden. Einer Versuchsanordnung gleich, wird das alte Material im Split-Screen von den Frauen neu kommentiert und hinterfragt. „Stolz und Eigensinn“ ist eine mediale Einkreisung, die eine Lücke schließt und Frauen porträtiert, die sich ihren Stolz und Eigensinn bis heute bewahrt haben. Was wurde einst gewonnen? Was ist verloren? Was ist geschehen?

Regie: Gerd Kroske, Spieldauer: 113 min., Altersfreigabe: 0, Jahr: 2025

„Hannah Arendt – Denken ist gefährlich“ am 27. Oktober 2025 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm mit Q&A-Video von Regisseur Jeff Bieber aus New York

Hannah Arendt – Aktivistin, Medienstar, Denkerin „ohne Geländer“. Berühmt wurde sie mit ihrer Studie zur Entstehung totalitärer Herrschaft. Umstritten ist sie für ihre Diagnose der „Banalität des Bösen“. Bewundert wird ihr unermüdliches und furchtloses Eintreten für die Freiheit des Denkens und die offene Gesellschaft. Sie schrieb über die Katastrophen des 20. Jahrhunderts und scheint doch direkt zu uns im Hier und Jetzt zu sprechen.

Regie: Chana Gazit, Spieldauer: 84 min., Altersfreigabe: folgt: Jahr: 2025

„Das deutsche Volk“ am 15. September 2025 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm mit Filmgespräch mit Regisseur Marcin Wierzchowski im Rahmen der Hessischen Dokumentarfilmtage

Keine Menge an Mitleidsbekundungen wird ihre Kinder je zurückbringen, das ist den Hinterbliebenen der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau klar. Die Familien erzählen von ihrem Leid, ihrer Wut und ihrer Ohnmacht gegenüber einem System, das jegliche Verantwortung scheut und eine Mitschuld vehement ablehnt. Jahrelang mussten sie selbständig um eine angemessene Aufarbeitung der Geschehnisse kämpfen. Doch nun, wo sich diese grausame Mordserie zum fünften Mal jährt und rassistische Parolen wieder salonfähig sind, ist Marcin Wierzchowskis eindrucksvoller Dokumentarfilm Das deutsche Volk ein wichtiges Mahnmal, das uns an unsere Pflicht erinnert, nicht zu vergessen.

Regie: Marcin Wierzchowski, Spieldauer: 132 min., Altersfreigabe: ab 6, Jahr: 2025

„Der dritte Bruder“ am 25. Juni 2025 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm mit Filmgespräch mit Regisseurin Kathrin Jahrreiß

Kathrin Jahrreiß geht dem Leben von drei sehr unterschiedlichen Brüdern nach: Einer machte bei den Nazis Karriere und behielt auch in der BRD einen hohen Status, ein anderer flüchtete in die USA und der dritte, ihr Opa, blieb nach der Ermordung seiner jüdischen Frau in Dresden, um nach dem Krieg als Anwalt einen Rechtsstaat mit aufzubauen – bis er von der Stasi rekrutiert wurde. Eine persönliche Spurensuche, die ein komplexes Bild einer deutsch-jüdischen Familie über drei Generationen in mehreren politischen Systemen zeichnet.

Regie: Kathrin Jahrreiß, Spieldauer: 116 min., Altersfreigabe: ab 12, Jahr: 2024

„Paris, kein Tag ohne dich“ am 26. Mai 2025 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm mit Filmgespräch mit Regisseurin Ulrike Schaz

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Genau dieser Umstand stellt das Leben einer jungen Frau auf den Kopf, die nichtsahnend mit ihrem damaligen Freund Jean Marie in Frankreich auf eine Party geht. Niemand nimmt zu diesem Zeitpunkt an, dass dort der international gesuchte Terrorist Carlos, der „Schakal“, noch in derselben Nacht zwei französische Polizisten erschießen würde. Die deutsche Filmemacherin und Protagonistin Ulrike Schaz wird vom französischen Geheimdienst als „Terroristin“ und „Freundin von Carlos“ verdächtigt und des Landes verwiesen. Fast 40 Jahre später trifft sie ihren damaligen Freund in einem Pariser Café zum ersten Mal wieder. Den Blick gerichtet auf eine kleine Schwarzweiß-Fotografie aus dem Portemonnaie ihres alten Freundes und zwei Leben, die damals auseinanderdrifteten und nie wieder ganz zusammenfanden, reflektieren sie die damaligen Ereignisse, die sich zu einem Albtraum entwickelten.

Hier ein persönliches Statement der Autorin von ihrer Website:

Ich kam in einer schwäbischen Kleinstadt zur Welt, einige Jahre nach Kriegsende. Die Schrecken des Krieges schlichen sich in meine Kindheit. Ich träumte von Weite. Paris wurde mein Sehnsuchtsort. Die Stadt klang in mir. 1968 begann ich, an einer Kunstakademie zu studieren. Alles war in Bewegung und ich wollte immer noch nach Paris, um dort das Filmemachen zu lernen.

Doch dann, im Juli 1975 kam alles anders. Mit meinem damaligen französischen Freund wurde ich in der Pariser Rue Toullier No 9 festgenommen, nicht weit von dem Ort, an dem kurz zuvor ein Mann namens Carlos drei Menschen erschossen hatte. Ich wurde verhaftet, geriet in die Mühlen der französischen Spionageabwehr, wurde aus Frankreich ausgewiesen mit der an den Haaren herbei gezogenen Begründung, ich sei Mitglied der Baader-Meinhof Bande. Gegen mich läge nichts vor, teilte mir einige Wochen danach das Bundeskriminalamt mit. Ein halbes Jahr später hob die französische Regierung meine Ausweisung aus Frankreich auf.

Wie ich später feststellte, waren all dies nur Worte auf dem Papier. Mein zufälliges Auftauchen am Ort eines terroristischen Geschehens war gespeichert worden. Aber was wurde gespeichert? Und wo? – Weltweit? Und wie? 1993, 18 Jahre später, während einer Recherchenreise für einen Dokumentarfilm, zeigte ich auf dem Flughafen in New York meinen Pass und konnte in dem aschfahl gewordenen Gesicht des Beamten ablesen, dass sich alles wiederholte. Das FBI behauptete, ich sei Carlos Freundin. In Fußfesseln wurde ich mit meiner Kollegin über den Flughafen geführt, die Nacht über in einem Abschiebeknast festgehalten und danach aus den USA ausgewiesen.

»PARIS kein Tag ohne dich« ist autobiographisch und die Inventur einer absurden Geschichte, die einen Blick auf eine Zeit öffnet, in der Staaten und Geheimdienste begannen, mittels Datenspeicherung internationalen Terrorismus zu bekämpfen. Was geschieht mit denen, die ins Räderwerk dieser Terrorismusfahndung und in das System internationaler Datenspeicherung geraten?

Regie: Ulrike Schaz, Spieldauer: 106 min., Altersfreigabe: ab 6, Jahr: 2020

Vom 7. bis 9. Mai veranstaltet das Casablanca Bad Soden die 2. FLAVOURS OF EUROPE – FILM & FOOD TAGE, finanziell unterstützt von dem KinoKulturverein.

An drei Abenden hintereinander wird landestypisches italienisches, französisches oder spanisches Essen, serviert, es gibt Food Talks mit den jeweiligen Fachleuten und im Anschluss einen schönen passenden Spielfilm zum Thema Essenskultur in dem jeweiligen Land und Sprachraum in Originalsprache mit Untertiteln.

„Das leere Grab“ am 22. April 2025 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm mit Online-Filmgespräch mit Regisseurin Agnes Lisa Wegner

Bis heute lagern zehntausende menschliche Gebeine aus ehemaligen Kolonien in deutschen Museen. Bis heute ist unklar, wie sie identifiziert und zurückgeführt werden können. „Das leere Grab“ folgt zwei Familien auf ihrer mühsamen Suche nach ihren Vorfahren: Im Süden Tansanias begibt sich der junge Anwalt John Mbano mit seiner Frau Cesilia auf die Spuren seines Urgroßvaters, der vor über 100 Jahren von der deutschen Kolonialarmee hingerichtet wurde. Der Schädel seines Ahnen wurde damals zu rassistischen „Forschungszwecken“ nach Deutschland gebracht; die Familie wird bis heute von diesem Schmerz heimgesucht. Ähnlich geht es Felix und Ernest Kaaya: Im Norden Tansanias kämpfen sie um die Rückführung der Gebeine ihres Vorfahren und begeben sich dafür in die Metropole Dar es Salaam. Beide Familien ringen mit dem Dickicht deutscher und tansanischer Bürokratie, erhalten aber auch Unterstützung von Aktivisten wie Mnyaka Sururu Mboro und Konradin Kunze, die in Deutschland Sichtbarkeit für das Thema schaffen. Mit deren Hilfe werden die Mbanos schließlich im Auswärtigen Amt in Berlin empfangen, und dann kommt sogar Bundespräsident Steinmeier in ihre Heimatstadt, um sich für das zugefügte Leid zu entschuldigen. Das Grab jedoch ist immer noch leer. In ihrem Film erzählt das deutsch-tansanische Regieduo Agnes Lisa Wegner und Cece Mlay von den Spuren und Traumata, die die einstige deutsche Kolonialherrschaft in tansanischen Familien und Communities bis heute hinterlassen hat – und von der Stärke und Selbstermächtigung der Hinterbliebenen, die sich hartnäckig für eine vollständige Aufklärung einsetzen. „Das leere Grab“ wirft Licht auf ein (auch filmisch) bisher kaum beleuchtetes Kapitel deutscher Geschichte und liefert damit einen wichtigen Beitrag zu der längst überfälligen Aufarbeitung deutscher Kolonialverbrechen.

Regie: Agnes Lisa Wegner und Cece Mlay, Spieldauer: 97 min., Altersfreigabe: ab 12, Jahr: 2024

„Facing Time (OmU)“ am 31. März 2025 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm mit Interview-Video mit Regisseurin Annett Ilijew

Augenblicke, die Geschichte schreiben: „In der Rückschau gewinnen solche Momente immer ein viel größeres Format. Der Moment ist ganz kurz. Aber nachher verbergen sich Jahre des Geschehens dahinter.“ Michael Ruetz ist der Meister des Augenblicks. Seine ikonischen Fotografien prägen das Bild, das wir bis heute von der jungen BRD und DDR haben. Er fängt die Krähen über Auschwitz ein und drückt als Einziger auf den Auslöser, als Beate Klarsfeld 1968 Bundeskanzler Kiesinger ohrfeigt. Er ist das fotografische Auge der 68er-Bewegung, Künstler wie Joseph Beuys lassen ihn so nah heran, dass seine Bilder mehr sind als bloße Momentaufnahmen – sie werden zu Spiegelbildern einer Epoche. Annett Ilijew begleitet den über 80jährigen Fotografen auf der Suche, sein Lebenswerk zu vollenden. In seinen „Timescapes“ dokumentiert Ruetz über Jahrzehnte hinweg den Wandel Berlins und legt dabei die Schichten der Zeit frei. FACING TIME ist ein Film über das Sehen und das Erinnern. Mit der Filmemacherin Annett Ilijew begegnen wir einem großen Chronisten und Meisters der deutschen Fotografie.

Regie: Annett Ilijew, Spieldauer: 82 min., Altersfreigabe: FSK folgt, Jahr: 2024

„Filmstunde_23“ am 13. Februar 2025 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm

Im Jahr 1968 verwandelt sich das Klassenzimmer eines Münchner Mädchen-Gymnasiums unter der Leitung des Jung-Regisseurs Edgar Reitz in ein Filmstudio. Die „Filmstunde“ beginnt: der in der Filmgeschichte erste dokumentierte Versuch, Filmästhetik als eigenständiges Fach zu unterrichten. 2023: Edgar Reitz, der weltberühmte Regisseur der Heimat-Trilogie, wird von einer älteren Dame angesprochen. Sie gibt sich als eine seiner damaligen Schülerinnen zu erkennen. Sie verabreden ein Klassentreffen. Montiert aus einem Dokumentarfilm über das damalige Projekt, den Super-8-Filmen der Schülerinnen und dem gefilmten Wiedersehen im Jahr 2023 entsteht eine Art Langzeitbelichtung der letzten 55 Jahre Filmgeschichte. Was hatten diese Frauen in der langen Zeit erlebt und welche Rolle spielte die Filmkunst in ihrem Leben? Zeigte sich der Keim ihrer Persönlichkeit bereits in dem kleinen Übungsfilm? Und was sagen die Damen heute zur Filmkultur der Gegenwart? FILMSTUNDE_23 ist eine Liebeserklärung an das Filmemachen und ein Appell, Filmbildung endlich in die Schulen zu bringen. Ein Film über Lebenszeit und die immer noch unerlösten Möglichkeiten der Filmkunst..

Regie: Edgar Reitz, Jörg Adolph, Spieldauer: 84 min., Altersfreigabe: keine, Jahr: 2024

„Petra Kelly – Act Now!“ am 9. Dezember 2024 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

Am 9.12.2024 zeigen wir um 20:00 in unserer Reihe „Dokumentarfilm des Monats“ in Kooperation, mit dem Kino Casablanca, den Film „Petra Kelly – Act Now!“ mit der Regisseurin Doris Metz zu Gast.

Eine Kämpferin für den Frieden, eine Aktivistin für den Schutz der Umwelt, die ihrer Zeit weit voraus war. Die Visionärin Petra Kelly glaubte daran, dass man die Welt verändern muss. Auf dem Höhepunkt des Rüstungswettlaufs zwischen Ost und West zu Beginn der 1980er Jahre brachte sie Hunderttausende auf die Straße, um gegen die Stationierung von Atomraketen auf westdeutschem Boden zu protestieren. Petra Kelly wurde als eine Politikerin berühmt, die in der Lage war, eine neue, weltverändernde Politik zu begründen. Sie stand an der Spitze der Friedensbewegung in Europa und war dabei im Austausch mit ostdeutschen Bürgerrechtlern, aber auch mit internationalen Mitstreiter:innen wie Joan Baez oder Milo Yellow Hair von den Indigenen aus South Dakota. Bereits vor 40 Jahren forderte sie die radikale Transformation der Gesellschaft. Dabei waren Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsfragen für sie gleichbedeutend. Der neue Film von Doris Metz, „PETRA KELLY – ACT NOW!“ lässt sie heute auch als ein Vorbild für viele junge Menschen erscheinen, die sich für die Rettung unseres Planeten engagieren. „Petra Kellys Dringlichkeit und die frappierende Aktualität ihrer Anliegen übertragen sich in diesem hervorragenden Dokumentarfilm direkt auf die Zuschauerin oder den Zuschauer. Das liegt vor allem an dem noch nie gezeigten Archivmaterial, das die Regisseurin und ihr Team rund um die Erde akquirierten“, schreibt Katrin Hillgruber in ihrer Filmkritik. Doris Metz holt die Mitbegründerin der Grünen, die Symbolfigur der Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung nach Recherche von „150 Meter“ und zahlreichen persönlichen Interviews mit Zeitzeugen in „unsere disparate Gegenwart“ zurück: „Petra Kelly als Visionärin, der zu wenig Zeit blieb“. Ein spannender, aufrüttelnder Film – höchst aktuell für uns alle!

Regie: Doris Metz: 104 min., Altersfreigabe: ab 12, Land: DE, Jahr: 2024

„Riefenstahl“ am 9. November 2024 um 19.30 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

Am 9.11.2024 zeigen wir um 19:30 in unserer Reihe „Dokumentarfilm des Monats“ in Kooperation, mit dem Kino Casablanca, den Film „Riefenstahl“ mit dem Regisseur Andres Veiel zu Gast.

Leni Riefenstahl gilt als eine der umstrittensten Frauen des 20. Jahrhunderts. Ihre ikonografischen Bildwelten von „Triumph des Willens“ und „Olympia“ stehen für perfekt inszenierten Körperkult, für die Feier des Überlegenen und Siegreichen. Und zugleich auch für das, was diese Bilder nicht erzählen: die Verachtung des Unvollkommenen, des vermeintlich Kranken und Schwachen, der Überlegenheit der einen über die anderen. Die Ästhetik ihrer Bilder ist präsenter denn je – und damit auch ihre Botschaft? Der Film geht dieser Frage anhand der Dokumente aus Riefenstahls Nachlass nach – privaten Filmen und Fotos, aufgenommenen Telefonaten mit engen Wegbegleitern, persönlichen Briefen. Bild für Bild, Facette für Facette legt er Fragmente ihrer Biografie frei und setzt sie in einen erweiterten Kontext von Geschichte und Gegenwart. Riefenstahls Hang, die Schönheit durchtrainierter Körper zu zelebrieren, beginnt nicht erst in den 1930er Jahren. Als „Wunschsohn“ ist sie der brutalen Erziehung ihres Vaters ausgeliefert. In den 1920er Jahren setzt sich diese „Schulung“ an ihren Filmsets fort. Sie will mit ihren Schauspielkollegen mithalten – allesamt Männer, die den Ersten Weltkrieg als eine großartige Zeit verklären. Und die bereit sind, sich „vor der Fahne des Führers“ zu versammeln. Mit den Bildern aus „Triumph des Willens“ beschreibt sie sich selbst: Organisierte Kraft und Größe, Demonstration des kontrollierten Körpers, auf Sieg getrimmt. Ihre strikte Leugnung, die Wechselwirkung ihrer Kunst mit dem Terror des Regimes nach dem Krieg anzuerkennen, ist mehr als nur eine abgewehrte Schuld: In persönlichen Dokumenten trauert sie ihren „gemordeten Idealen“ nach. Damit steht sie für viele, die in Briefen und aufgenommenen Telefonaten ihres Nachlasses von einer ordnenden Hand träumen, die endlich mit dem „Scheißstaat“ aufräumt. Dann würde auch ihr Werk eine Renaissance erfahren, in ein, zwei Generationen sei es so weit. – Was, wenn sie recht behalten?

Regie: Andres Veiel, Spieldauer: 115 min., Altersfreigabe: ab 12, Land: DE, Jahr: 2024

„My Stolen Planet“ am 28. Oktober 2024 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

Am 28.10.2024 zeigen wir um 20:00 in unserer Reihe „Dokumentarfilm des Monats“ in Kooperation, mit dem Kino Casablanca den Film „My Stolen Planet“ mit einem anschließenden Q&A Video der Regisseurin Farahnaz Sharifi.

My Stolen Planet” ist eine tagebuchartige Erzählung von Farah, einer iranischen Filmemacherin. Geboren während der islamischen Revolution im Iran 1979, fängt sie Momente der Freude und des Trotzes in ihrem Alltag ein, wobei sie den Kontrast zwischen innerer Freiheit und äußerer Unterdrückung thematisiert. Gleichzeitig sammelt sie 8-mm-Archivmaterial von Menschen, die sie nicht kennt. Indem sie sich die Aufnahmen anderer anschaut, gewinnt sie eine neue Perspektive auf den Verlust von Erinnerungen. Ihre Verbindung zu Leyla, einer iranischen Professorin, die den Iran während der Revolution verließ, fügt einem der Gesichter aus ihrem Archiv einen Namen hinzu. Farahs Mutter, die an Alzheimer erkrankt ist, motiviert sie, gegen das Vergessen zu kämpfen. Im Herbst 2022 wurde der „Frauen – Leben – Freiheit“ Aufstand zu einem Wendepunkt in Farahs Leben, wie auch im Leben vieler anderer Menschen im Iran.

Regie: Farahnaz Sharifi, Spieldauer: 82 min., Altersfreigabe: ab 12, Land: DE, IR, Jahr: 2024

„Total Trust“ am 10. September 2024 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

Am 10.9.2024 zeigen wir um 20:00 in unserer Reihe „Dokumentarfilm des Monats“ in Kooperation, mit dem Kino Casablanca den Film „Total Trust“ mit einem anschließenden Q&A Video der Regisseurin Jialing Zhang.

Die digitalen Möglichkeiten sozialer Kontrolle in China haben zu einem noch nie da gewesenen Maß staatlicher Überwachung geführt. Durch Selbstzensur oder durch das Ausspionieren der Nachbarn – die Überwachung erfasst nicht nur die von der Regierung als Bedrohung empfundenen Personen, sondern immer mehr und immer totaler auch den Normalbürger: Ob man Blumen kauft, sein Kind zur Schule bringt oder nachts den Müll rausbringt. Big Data und digitale Technologien werden bereits als Waffen eingesetzt, um Freiheiten zu beschneiden. Schritt für Schritt verändert sich so das soziale und politische Verhalten der Chinesen. Mit dem Dokumentarfilm „Total Trust“ gelingt der in den USA lebenden chinesischen Filmemacherin Jialing Zhang ein exklusiver und bislang noch nie möglich gewesener intimer Einblick in das Innere Chinas. Sie erzählt eine zutiefst beunruhigende Geschichte über Technologie, (Selbst-)Zensur und Machtmissbrauch.“

Regie: Jialing Zhang, Spieldauer: 97 min., Altersfreigabe: ab 6, Land: DE, NL, Jahr: 2023

„Watching You – Die Welt von Palantir und Alex Karp“ am 27. Mai 2024 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

Der US-Unternehmer Alex Karp hat mit seiner Firma Palantir Technologies die erfolgreiche und gleichzeitig umstrittene Datenanalyse-Software „Gotham“ geschaffen. Sie befähigt einerseits Staaten zur umfassenden Überwachung ihrer Bürger*innen. Andererseits unterstützt sie Geheimdienste, Militär und Polizeibehörden, letztere auch in Deutschland, mit Informationen, die Verbrechen aufklären – oder zum gezielten Töten genutzt werden. Derzeit ist Palantir wichtiger Partner der Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland. Die Firma ist so verschwiegen wie mysteriös. Sie wurde groß mit ihrer Arbeit für CIA und NSA. An der Börse ist sie über 50 Mrd. US-Dollar wert. Mit ihrer Hilfe soll Osama Bin Laden zur Strecke gebracht worden sein. Der eine Gründer, Peter Thiel, ist ein rechter Libertärer mit recht bizarren Ansichten, der offen Trump unterstützte. Der andere, Alex Karp, bezeichnet sich selbst als Neomarxist und Linker; ist stolz darauf, dass seine Eltern Hippies waren. Heute führt er als CEO die größte kommerzielle Überwachungsfirma der Welt. Er bekennt trocken: „Unser Produkt kann zum Töten von Menschen eingesetzt werden.“ Der Film ist eine investigative Annäherung an einen der geheimnisvollsten CEOs des Silicon Valley, der sich immer dann zu entziehen scheint, wenn zu viele Blicke auf ihn gerichtet sind.

Der Filmemacher Klaus Stern ist zu Gast im Casablanca

Regie: Klaus Stern, Spieldauer: 99 min, Jahr: 2024

„Joan Baez I Am A Noise“ am 21. April 2024 um 17.30 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

Eine Ikone, eine lebende Legende – wer kennt nicht die Folk-Sängerin und Aktivistin Joan Baez? Nach Mary Whartons Doku „How Sweet the Sound“ aus dem Jahr 2009 läuft seit einigen Wochen der neue Dokumentarfilm „JOAN BAEZ I AM A NOISE“ in den deutschen Kinos und nun auch als „Dokumentarfilm des Monats“ im Arthouse Kino Casablanca: diesen Sonntag, am 21. April um 17.30 Uhr.
„JOAN BAEZ I AM A NOISE“ ist ein außergewöhnliches Porträt der legendären Folksängerin und Aktivistin Joan Baez. Der Dokumentarfilm, weder ein konventionelles Biopic, noch ein traditioneller Konzertfilm, begleitet Joan auf ihrer letzten Tour und taucht ein in ihr beeindruckendes Archiv aus Privatvideos, Tagebüchern, Kunstwerken, Therapie- und Musikaufnahmen. Im Laufe des Films zieht Baez schonungslos Bilanz und enthüllt auf bemerkenswerte Weise ihr Leben auf und abseits der Bühne: von ihren lebenslangen emotionalen Problemen, über ihr Engagement in der Bürgerrechtsbewegung mit Martin Luther King, bis hin zu der schmerzlichen Beziehung mit dem jungen Bob Dylan. Als radikaler Blick auf eine lebende Legende wird dieser Film zu einer intimen Erkundungsreise einer ikonischen Künstlerin, die noch nie zuvor so viel über ihr Leben enthüllte.

Spieldauer: 113 min, Land: US, Jahr: 2023

„Big Little Women“ am 26. März 2024 um 17.30 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

BIG LITTLE WOMEN lief auf internationalen Festivals und in den Kinos der Deutsch-Schweiz. Nun gibt es in unserer Reihe „Dokumentarfilm des Monats“ eine Deutschlandpremiere im Arthouse Kino Casablanca:

Die schweizerisch-ägyptische Regisseurin Nadia Fares erzählt in einer poetischen Hommage an ihren geliebten Vater nicht nur ihre eigene Familiengeschichte, sondern entwickelt in ihrem Film auch eine aufschlussreiche Chronik über die Stellung der Frau in Ägypten und in der Schweiz. Das Schicksal ihres Vaters, der sich als Student aus Kairo in eine Schweizerin verliebt, die Mutter der Regisseurin Nadia Fares, dient dem Film als Spiegel, dass das Patriarchat auch eine Schweizer Angelegenheit ist. So war der Schweizer Großvater dagegen, dass seine Tochter einen Ägypter heiratete. Er sorgte dafür, dass der Vater von den Behörden nach Kairo zurückgeschickt wurde, ohne dass die junge Familie davon wusste.

Als die Filmemacherin sich später auf die Suche nach ihrem Vater machen kann, gewinnt sie tiefe Einblicke in die Strukturen der ägyptischen Gesellschaft und vermittelt uns atmosphärische Bilder vom Land und ihrer eigenen Familie. Frau-Sein wird in Ägypten auch heute noch unterschiedlich gelebt. Manche üben selbständige Berufe aus, wie z. B. als Ärztinnen oder Uberfahrerinnen, demonstrierten während des „arabischen Frühlings“ auf dem Tahrir-Platz in Kairo, andere verlassen das Haus nicht ohne Schleier, drängen die Töchter zum standesgemäßen Heiraten. „Ägypten ist eine klassenbasierte Gesellschaft. In niedrigeren Klassen hat der Mann das letzte Wort, egal ob er recht hat oder nicht“, sagt Fares. „In den mittleren und höheren Schichten ist das Patriarchat viel subtiler, es kommt jedoch auch hier zum Ausdruck.“

In ihrem Film lässt die Regisseurin verschiedene Frauen der jüngeren Generation zu Wort kommen. Sie begleitet sie auf ihren Fahrradausflügen, in ihrem Alltag und zuhause bei aufreibenden Diskussionen mit Müttern und Vätern. Die drei Protagonistinnen Nouran, Noha und Amina gehören zur jüngeren feministischen Generation, sie wollen finanziell unabhängig sein und sich nicht unbedingt an die traditionelle Familie binden.

Nadia Fares hat in ihrem Film auch der Grande Dame des ägyptischen Feminismus ein Denkmal gesetzt. Die Medizinerin und Schriftstellerin Nawal El Saadawi hat sich über Jahrzehnte für Frauen -und Menschenrechte eingesetzt. Mutig bis ins hohe Alter starb sie 2021 im Alter von knapp 90 Jahren. Das persönliche und zutiefst berührende Gespräch mit ihr bildet einen Höhepunkt.

Spieldauer: 86 min, Land: CH, EG, Jahr: 2022

„Die Geheimnisse des schönen Leo“ am 29. Februar 2024 um 20.00 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

Leo Wagner (der Schöne Leo) war mit Franz Josef Strauß Mitbegründer der CSU und von 1961 bis 1976 Bundestags-Abgeordneter (Stimmkreis Günzburg/Neu-Ulm) unter den Kanzlern Adenauer bis Schmidt. Wagner gehörte zu einer Politikergeneration, die vom Krieg geprägt war. Sie erfüllte tagsüber ihre Pflicht an der politischen Front des Kalten Krieges. Danach entspannte man sich im Kölner Nachtleben mit jungen Frauen und altem Champagner. Die Familien zuhause dienten oft nur mehr als Fassade. Bei Leo hatte der aufwendige Lebenswandel seinen Preis. Er verwickelte sich in dubiose Geschäfte und Stasi-Kontakte. Sein Enkel, der junge Filmemacher Benedikt Schwarzer, legt nun die politischen und persönlichen Hintergründe eines der größten politischen Skandale der Bonner Republik frei: Die Affäre um das Konstruktive Misstrauensvotum 1972 gegen Willy Brandt und das Rätsel um die gekauften Stimmen. Der Film eröffnet einen ungeschönten Blick auf die Widersprüche der Generation Leo Wagners, die Abgründe der Bonner Republik und den Preis, den Familien dafür zahlen müssen.

Spieldauer: 80 min, Regie: Benedikt Schwarzer, Land: DE, Jahr: 2018

„Anima – Die Kleider meines Vaters“ am 21. Januar 2024

Dokumentarfilm des Monats

In ihrem Film erzählt Uli Decker die Geschichte eines über Jahrzehnte gehüteten Familiengeheimnisses. Was die Mutter nach vielen Ehejahren entdeckte und aus Liebe zu ihrem Mann weiterhin geheim hielt, erfuhren die beiden erwachsenen Töchter erst am Sterbebett des Vaters. Eine von ihnen, die Filmemacherin, beginnt, sich mit dieser Geschichte zu beschäftigen und deren Einfluss auch auf das eigene Leben zu hinterfragen.

Aufgewachsen ist der Vater im tiefsten Bayern wie auch später die Regisseurin in den achtziger Jahren in Murnau, einem malerischen Ort im Alpenvorland – imposante Kulisse, konservatives Weltbild, vom Katholizismus geprägt. Die vierköpfige Familie Decker, Vater, Mutter, zwei Töchter lebt in einer unscheinbaren Doppelhaushälfte, passt gut hinein ins vorherrschende Umfeld. Die Regisseurin empfand dieses Leben jedoch auch als erdrückend. Der Vater schien wiederholt an Depressionen zu leiden, sich hinter einer Fassade der Normalität schützend. Die Tochter hatte als Kind mehr Lust auf Abenteuer als auf Mädchenmode, verkleidete sich oft lieber als Junge. Schon früh rebellierte sie gegen die gesellschaftliche und familiäre Enge. „Es gab so eine Leere an Bildern zu positiver Weiblichkeit. Ich hatte keine Vorbilder, nur Fantasie“ sagt sie rückblickend in einem Gespräch. Sie liebt ihren Vater, der sich oft zurückgezogen verhält. Als er nach einem Unfall mit 63 stirbt, spricht die Mutter erstmals vom Geheimnis in der Familie.

In ihrem Film, an dem sie sechs Jahre lang gearbeitet hat, lässt Uli Decker den Vater mittels Tagebucheinträgen sprechen: „Mir geht es nicht darum, eindeutig weiblich zu sein, sondern im Transzendieren der männlichen Rolle meiner Seele Freiheit zu verschaffen“, sagt der Vater an einer Stelle. Indem die Regisseurin im Film auch ihre eigene Stimme zu Wort kommen lässt, tritt sie in einen späten Dialog mit ihrem Vater, der zu seinen Lebzeiten nicht möglich war.

Uli Decker spricht mit Freunden ihrer Familie, mit Nachbarn und Angehörigen, zeigt auf diese Weise das Umfeld ihres Vaters, sie arbeitet fantasievoll mit privaten Fotos, mit collagierten, gezeichneten und animierten Szenen „und macht so deutlich, dass das Private eben nicht nur privat, sondern zu einem wichtigen Teil auch öffentlich ist“ (epd-film.de/filmkritiken).

„Anima – die Kleider meines Vaters“ hatte beim Max-Ophüls-Filmfestival 2022 Premiere und gewann den Publikumspreis und den Jury-Preis für den besten Dokumentarfilm. Seitdem lief der Film auf zahlreichen Festivals, erhielt Auszeichnungen wie u. a. den Bayerischen Filmpreis und startete bundesweit in ausgewählten Arthouse Kinos.

Eine berührende Familiengeschichte, inmitten aller Tragik mit Humor und Leichtigkeit erzählt, ein von liebevollen Erinnerungen geprägter, zu Herzen gehender Dokumentarfilm

Spieldauer: 110 min., Buch und Regie: Uli Decker, Land: GB, Jahr: 2022

„Ithaka“ am 30. November 2023

Dokumentarfilm des Monats

„ITHAKA“ – so der Titel des nächsten „Dokumentarfilm des Monats“, befasst sich mit dem Schicksal des seit Jahren inhaftierten Journalisten und Wikileaks-Gründers Julian Assange. Seit 2019 sitzt er im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh – in Auslieferungshaft für die USA. Es drohen ihm 175 Jahre Haft für die Veröffentlichung geheimer Dokumente über Kriegsverbrechen im Irak. Angesichts der aktuellen Kriegssituation in Israel und der Ukraine ist seine Geschichte aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Doch im letzten Jahr hat sich der 76jährige Vater von Assange, John Shipton, aus Australien auf eine Weltreise begeben, um sich für die Freilassung seines Sohns Julian einzusetzen. Begleitet wird er dabei von Stella Moris, der Mutter der jüngsten Assange-Kinder und seiner Enkel. Erzählt aus der Perspektive der Angehörigen von Assange ist dies ein leiser Film geworden, der uns intime Einblicke in das Familienleben eröffnet, ganz anders als der spannend aufgebaute Polit-Thriller des spanischen Regie-Duos Clara López Rubio und Juan Pancorbo, den wir letztes Jahr im CasaBLanca gezeigt haben, „Hacking Justice: der Fall Assange – eine Chronik“.

Daniel Kothenschulte schrieb zu dem neuen Film in der Frankfurter Rundschau (12.10.2022): „Nachdem kein Verleih, keine Fernsehanstalt und kein Streaming-Anbieter zugegriffen haben, sprang das Berliner „Human Rights Film-Festival“ … in die Lücke. … Produziert von seinem Bruder Gabriel Shipton und inszeniert vom australischen Dokumentarfilmer Ben Lawrence folgt der Film, sein Haupterzählstrang, den Reisen, die John Shipton, …. seit Jahren unternimmt. … Die titelgebende griechische Insel Ithaka gilt als mythische Heimat des Odysseus. Ihre eigene Odyssee vollzieht eine weitere Protagonistin, Assanges damalige Verlobte und heutige Ehefrau Stella Moris. Subtil und stets maßvoll musikalisch begleitet von Brian Eno ist dies also zum einen ein Film über die fast übermenschlichen Anstrengungen, zu denen familiäre Liebe befähigt: Der Gang an eine zunehmend abweisende Öffentlichkeit ist für die Beteiligten sichtbar schmerzvoll“.

Dabei geht es in ITHAKA nicht zuletzt auch um die Pressefreiheit. Daniel Ellsberg, der 1971 die Pentagon Papers leakte, erklärt: Noch nie wurden in den USA Journalisten oder Journalistinnen wegen Spionage verurteilt, die Meinungsfreiheit wurde stets höher angesetzt. Doch im Fall Assange gibt es seit Jahren keine Lösung.

Nach dem Film steht Moritz Lapke, Sprecher der Free Assange-Gruppe Frankfurt, für aktuelle Informationen und Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.

Regie: Ben Lawrence

„Sieben Winter in Teheran“ am 19. Oktober 2023

Dokumentarfilm des Monats

Teheran, 7. Juli 2007: Reyhaneh Jabbari, eine 19jährige Informatik-Studentin, die nebenbei als Inneneinrichterin arbeitete, hat ein Geschäftstreffen mit einem neuen Kunden. Ein Tag, der ihr Leben für immer verändert. Denn als der Mann versucht, sie zu vergewaltigen, verteidigt sie sich mit einem Messer, sticht ihn einmal in den Rücken und flieht. Noch in derselben Nacht wird sie verhaftet. Fast zwei Monate lang hat Reyhaneh keinen Kontakt zu ihrer Familie oder zu einem Rechtsbeistand. In dieser Zeit entstehen erzwungene Geständnisse, die später zu einem Todesurteil nach dem Vergeltungsgesetz der Blutrache führen. Reyhaneh verbrachte über sieben Jahre im Gefängnis. Trotz zahlreicher Beweise, die auf Notwehr hindeuten, hat sie vor Gericht keine Chance. Denn bei ihrem Gegner, dem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Morteza Sarbandi handelt es sich um einen mächtigen und vernetzten Mann, der selbst nach seinem Tod – von einflussreichen Kreisen der iranischen Gesellschaft geschützt wird.

Dank heimlich aufgenommener Videos, die von Reyhanehs Familie zur Verfügung gestellt wurden, ihrer Briefe, die sie im Gefängnis geschrieben hat, und umfangreicher Archiv-Recherchen zeichnet die Regisseurin Steffie Niederzoll in ihrem Film den Prozess und das Schicksal dieser jungen Iranerin nach, deren Fall über die Landesgrenzen hinaus für Furore sorgte.

Über all die Jahre war Reyhanehs Mutter, Shole Pakravan, maßgeblich am Protest gegen die Hinrichtung ihrer Tochter beteiligt und ist heute zu einer wichtigen Menschenrechtsaktivistin gegen die Todesstrafe im Iran geworden. Zusammen mit Steffi Niederzoll hat sie das Buch „Wie man ein Schmetterling wird“ geschrieben (ab sofort erhältlich im Buchhandel und bei der Filmvorführung im Kino am 19. Oktober).

Die Regisseurin wird zum Live-Gespräch ins CasaBlanca kommen, sogar in Begleitung von Shole Pakravan, der Mutter von Reyhaneh.

Die Filmemacherin Steffi Niederzoll, die für SIEBEN WINTER IN TEHERAN nach der Berlinale-Weltpremiere mehrfach ausgezeichnet wurde, schrieb gemeinsam mit Shole Pakravan das Buch „Wie man ein Schmetterling wird“.

Regie: Steffi Niederzoll

„Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“ am 5. September 2023

Dokumentarfilm des Monats

Anfang der 1960er-Jahre wurden die sogenannten Gastarbeiter:innen aus Anatolien und anderen Gegenden der Türkei von der Bundesrepublik Deutschland angeworben. Von Anfang an gab es etwas, dass sie immer begleitet hat und Bestandteil ihrer Kultur war: ihre Musik – ein Stück Heimat in der Fremde. Über die Jahre entwickelten sich in Deutschland eigenständige musikalische Richtungen, die es in dieser Form im Mutterland nicht gab. Diese beispiellose Geschichte einer selbständigen Musikkultur der Einwanderer aus der Türkei, ihrer Kinder und Enkelkinder in Deutschland, erzählt der spannende Kino-Dokumentarfilm „Aşk Mark ve Ölüm“ / LIEBE, D-MARK UND TOD von Cem Kaya unterhaltsam und sehr vielschichtig mit noch nie gesehenem Archivmaterial. Fern der Heimat, fremd im neuen Land, entstanden zu Beginn der Einwanderung melancholische Musikstile wie die Gurbetçi-Lieder (Lieder aus der Fremde). Präsentiert von Künstler:innen wie Yüksel Özkasap, der Nachtigall von Köln, oder Asik Metin Türköz („Mayestero“). Ihnen folgten jüngere Musiker:innen wie das Duo Derdiyoklar („Liebe Gabi“), Ozan Ata Canani („Deutsche Freunde“) oder Cem Karaca und die Kanaken („Mein Freund, der Deutsche“), die in ihren gesellschaftskritischen Liedern zum ersten Mal auch auf deutsch sangen und damit sowohl die migrantische als auch die deutsche Popkultur prägten. HipHop wurde zum Sprachrohr der zweiten und dritten Generation von Menschen, die in Deutschland aufgewachsen waren. Pioniere deutsch-türkischen HipHops wie Fresh Familee, King Size Terror oder Islamic Force waren Wegbereiter zeitgenössischer Pop Musik in Deutschland.

Regie: Cem Kaya, Spieldauer: 102 min., Altersfreigabe: ab 12, Land: DE, TR, Jahr: 2022

„All the Beauty and the Bloodshed“ am 9. August 2023

Dokumentarfilm des Monats

In diesem bewegenden Porträt und Dokument US-amerikanischer Zeitgeschichte lässt Laura Poitras die Künstlerin und Aktivistin Nan Goldin sowie deren Freund*innen und Wegbegleiter*innen ihre Lebensgeschichte erzählen. Neben Goldins intimen und beeindruckenden Fotografien und Slideshows steht der Protest der von ihr gegründeten Gruppe P.A.I.N. gegen Perdue Pharma, die Sackler-Familie und den staatlichen Umgang mit den Folgen der Opioid-Krise im Mittelpunkt.

Die US-amerikanische Milliardärsfamilie Sackler zählt zu den großen Kunstmäzenen, auf die viele im Kunstbetrieb – wie auch Goldin selbst – angewiesen sind. Doch wie geht man damit um, Geld von Akteuren anzunehmen, „die vom Schmerz tausender Menschen profitieren“?

Was ist in Deutschland anders als in den USA? Welche Regeln gelten bei uns? Haben wir ethische Normen und wie sollten sie aussehen? Dazu gibt es nach dem Film ein Gespräch mit der Fachexpertin Julia Lange aus Frankfurt, Führungskraft im Bereich Kulturmanagement, Fundraiserin und Kommunikationsexpertin, die von zahlreichen Beispielen aus ihrer Erfahrung berichten kann.

Regie: Laura Poitras, Spieldauer: 127 min., Altersfreigabe: ab 12, Land: US, Jahr: 2022

„Einzeltäter Teil 3 – Hanau“ am 14. Juli 2023 um 17.30 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

Am 19. Februar 2020 ermordet ein Rechtsterrorist neun Menschen in Hanau: Said Nesar Hashemi, Hamza Kenan Kurtovic, Ferhat Unvar, Sedat Gürbüz, Fatih Saraçoglu, Gökhan Gültekin, Vili Viorel Paun, Mercedes Kierpacz und Kaloyan Velkov. Angehörige und Überlebende müssen bis heute um die vollständige Aufklärung des rassistischen Anschlags kämpfen. Filmemacher Julian Vogel zeichnet ein Porträt der Betroffenen zwischen Wut, Trauer und Entschlossenheit – für Konsequenzen und Gerechtigkeit. Die Trilogie Einzeltäter widmet sich den Opfern der Anschläge in München, Halle und Hanau.

Regie: Julian Vogel, Spieldauer: 84 min., Altersfreigabe: TBA, Land: Deutschland, Jahr: 2023

„Blix Not Bombs“ am 27. Juni 2023 um 18.00 Uhr

Dokumentarfilm des Monats

Greta Stocklassa war gerade acht Jahre alt geworden als sie die Ereignisse des 11. Septembers in Stockholm im Fernsehen verfolgte. In den folgenden Monaten und Jahren erlebte sie, wie ihr Landsmann, der Diplomat Hans Blix, als Waffeninspekteur der UNO zu einem wichtigen Akteur in der globalen Krise wurde. Jetzt, im 21. Jahrhundert, welches von Kriegen, politischen Extremen und Klimakatastrophen geprägt wird, wendet sich Greta, die eine Karriere als Dokumentarfilmerin einschlug, an den inzwischen 94-jährigen Blix und fragt ihn, ob er ihr helfen kann, die Welt zu verstehen. Spielt die Diplomatie noch eine Rolle? Oder ist er der letzte der großen Verhandlungsführer?

Regie: Greta Stocklassa, Spieldauer: 85 min., Altersfreigabe: ab 12, Land: DE, SE, CZ, Jahr: 2023